LAMONACA Giancarlo
* 1973 in Cortina d'Ampezzo (IT)Lebt und arbeitet in Vahrn /Varna (IT)
Termine
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26/08/2026 6:00 p.m. Finissage „RELATIONES“
RELATIONES
RELATIONES
Fotografische Erkundungen des Dazwischen
27. Juni – 29. August 2026
Kloster Neustift | Abbazia di Novacella
Fotografie entsteht nicht im leeren Raum. Sie entsteht aus einer Begegnung — zwischen dem Blick der Fotografierenden und der Welt, zwischen Nähe und Distanz, zwischen dem, was sichtbar wird, und dem, was sich entzieht. Mit RELATIONES zeigt Kloster Neustift in der Engelsburg 18 zeitgenössische Positionen aus Südtirol, Österreich und Deutschland, die genau diesem Dazwischen nachspüren.
Die Arbeiten nähern sich diesem Grundgedanken aus unterschiedlichen Richtungen — sie erzählen von Nähe und Distanz, von Identität und Erinnerung, vom Verhältnis des Menschen zu seinem Lebensraum, von gesellschaftlichen Verbindungen und Formen gemeinschaftlichen Zusammenlebens. Gerade in dieser Vielstimmigkeit zeigt sich, wie weit der Begriff der Beziehung trägt, wenn man ihn ernst nimmt: nicht nur als Sujet der Fotografie, sondern als ihre eigentliche Arbeitsweise. Denn auch das Bild selbst entsteht erst im Moment der Begegnung zwischen dem Blick der Fotografierenden und der Welt, die sich zeigt oder verweigert.
Die historische Architektur der Engelsburg, einst als Pilgerkapelle errichtet, wird dabei bewusst zum Teil des Konzepts, nicht zu seiner bloßen Kulisse. Der romanische Rundbau aus dem 12. Jahrhundert ist seit jeher Schwelle und Durchgang, ein Ort des Aufeinandertreffens — und führt die Besucher*innen entlang dreier thematischer Ebenen durch genau diese Erfahrung. Im Untergeschoss steht die unmittelbare Begegnung zwischen Menschen im Zentrum: der Blick auf das Gegenüber, das, was entstehen kann, wenn man wirklich hinsieht, und das, was auf Distanz hält. Der Rundgang im Obergeschoss weitet den Fokus auf das Verhältnis des Menschen zur Welt, zur Natur, die ihn umgibt, und zu den Systemen, in denen er lebt. Im ehemaligen Kapellenraum schließlich richtet sich der Blick auf das, was entsteht, wenn Menschen sich wirklich einlassen — auf jene Verbindungen, die über das Individuelle hinauswachsen und den Einzelnen als Teil von etwas begreifen, das ihn einschließt oder gar übersteigt.
So wird die Ausstellung selbst zu dem, wovon sie erzählt: kein Raum, der Beziehung nur abbildet, sondern einer, der sie erfahrbar macht.
Teilnehmende Künstler*innen:
Anna Anvidalfarei | Florian Borkenhagen | Julia Bornefeld | Karin Ferrari | Michael Fliri | Werner Gasser | Heinz Innerhofer & Christina Auer | Giancarlo Lamonaca | Katharina Theresa Mayr | Sissa Micheli | Anuschka Prossliner | Karin Schmuck | Michael Schmücking | Othmar Seehauser | Tiberio Sorvillo | Nicole Weniger | Gustav Willeit | Marko Zink
Kuratiert von Sandra Mutschlechner
Finissage: Mittwoch, 26. August 2026, 18.00 Uhr
In RELATIONES haben wir Fotografie als relationale Praxis verstanden — als Mittel, Beziehungen zwischen Mensch, Raum und Zeit sichtbar zu machen. Achtzehn künstlerische Positionen haben in den vergangenen Wochen gezeigt, wie unterschiedlich sich dieser Gedanke lesen lässt, von der stillen Begegnung zwischen zwei Menschen bis zur Frage, was uns mit der Welt und miteinander verbindet.
Zum Abschluss der Ausstellung rücken wir bewusst eine weitere Perspektive in den Fokus: Paul Renner, Schirmherr des Jahres der Fotografie im Kloster Neustift, spricht in seinem Vortrag darüber, wie er Fotografie in seiner eigenen künstlerischen Praxis als Mittel der Dokumentation einsetzt und versteht, ein Blick, der dem relationalen Verständnis der Ausstellung bewusst ein anderes gegenüberstellt und zur Diskussion einlädt. Der Vortrag verbindet internationale Entwicklungen der Nachkriegskunst mit persönlichen Erfahrungen aus seiner künstlerischen Praxis.
Wir laden herzlich zur Finissage in die Engelsburg ein, mit einem Umtrunk und Raum für Austausch,
gefolgt vom Vortrag und einem gemeinsamen Abend im Anschluss.
Mittwoch, 26. August 2026, 18.00 Uhr
Finissage
18.00 Uhr: Umtrunk und Austausch
19.00 Uhr: Vortrag von Paul Renner
im Anschluss: lockeres Beisammensein mit kleinem Essen
Artist Statement
Die Fotografie ist ein ideales Instrument, um die Nuancen der Zeit aufzuzeigen. Bilder, verdichtet in einem absurden und doch unwahrscheinlichen Versuch, die Gegenwart festzuhalten. Meine fotografischen Arbeiten stellen in erster Linie eine Herausforderung an die Idee von Realität dar, die dem Konzept der Fotografie inhärent ist. Sie eröffnen neue Fronten des Dialogs mit dem Bestehenden. Es handelt sich um physische und symbolische Aktionen und Eingriffe, die die Faszination des legitim Mehrdeutigen widerspiegeln. Der Impuls der Aufzeichnung weicht der Zielsetzung zu begreifen, dass jedes realistische Element etwas Mehrdeutiges, Ausweichendes, Rätselhaftes verbirgt oder impliziert. Es ist das Bedürfnis, die bekannte, reale Welt anhand eines konzeptuellen Grundschemas um eine verfremdende Dimension zu erweitern und auszudehnen und zu zeigen, wie jede Form der (Er-) Kenntnis in sich eine Art potenzielles und hypothetisches imaginäres Repertoire hütet. Ganz im Sinne von Werner Heisenbergs Aphorismus, wonach der Künstler in der Lage ist „die Wirklichkeit von innen zu durchdringen“, rufe ich auf, nach dem zu suchen, was es nicht gibt, nach der möglichen Alternative, dem anderen Gesicht der Welt.
Die Grenzen des „Fotografierbaren“ überschreiten zu wollen bedeutet, die ganze Zweideutigkeit der Fotografie zu entlarven und sich von ihrer verführerischen Fiktion beeindrucken zu lassen. Es ist die ewige Mehrdeutigkeit oder Flüchtigkeit der Bilder: zeigen und verbergen zugleich. In meinen Arbeitszyklen lässt sich alles immer wieder neu beobachten, umgestalten und anordnen. Es ist, als ob nichts jemals festgelegt und nie wirklich „gesehen“ werden kann. „Es ist in dieser nicht möglichen Begrenzung der physischen Welt“, schrieb Ghirri, „dass die Fotografie Bedeutung findet“.
– Giancarlo Lamonaca