Ausschreibung Triennale
schwach.šibko.debole
In einer herausfordernden Zeit, die das Laute an die Oberfläche spült und Härte sich oft als glorifiziertes Starksein ausgibt, laden wir dazu ein, dem Leisen unser Gehör zu schenken. Setzen wir die Schwäche als ästhetische, philosophische und politische Kraft in Szene: nicht als Defizit, Makel oder Versagen, sondern als gesellschaftlichen Impuls – für Sensibilität, Mut und das Wahrnehmen eigener und kollektiver Verletzlichkeit. Für das Zarte, Zerbrechliche oder den Moment, in dem noch nichts entschieden ist und sich alles im Entwicklungsprozess bewegt.
schwach.šibko.debole kann auch ein Flimmern sein, ein Riss, ein Schwanken – und zugleich eine Einladung, langsamer zu werden, näher hinzuschauen, einander zu sehen. Vielleicht liegt gerade in dieser Offenheit die Möglichkeit, sich selbst und anderen neu zu begegnen. Vielleicht kann ein brüchiger Rand zum Ausgangspunkt einer neuen Form des Miteinanders werden. Womöglich liegt in diesem Erkennen sogar eine Form von Widerstand: eine Entscheidung, nicht zu verhärten, sondern Beweglichkeit zu bewahren. Die vierte Ausgabe der Triennale des Kunstverein Kärnten möchte solche Perspektiven heben, im Alpen-Adria-Raum sichtbar machen und in allen Sparten der Kunst erfahrbar werden lassen.
Barbara Ambrusch-Rapp
Mitglied des künstlerischen Beirates