Triennale IV Kärnten 2026

Grenzüberschreitendes interdisziplinäres Kunstprojekt

MAYR Katharina Theresa

* 1989 in Rum in Tirol (AT)
lebt und arbeitet in Bozen /Bolzano (IT)


  • Katharina Theresa Mayr, Interlayered Human Being, 2024–2026, Ausstellungsansicht „Relationes“, Kloster Neustift / Abbazia di Novacella, Vahrn / Varna, 2026, Foto: Tiberio Sorvillo
    Katharina Theresa Mayr, Interlayered Human Being, 2024–2026, Ausstellungsansicht „Relationes“, Kloster Neustift / Abbazia di Novacella, Vahrn / Varna, 2026, Foto: Tiberio Sorvillo
  • Katharina Theresa Mayr, Karin Schmuck, Ausstellungsansicht „Relationes“, Kloster Neustift / Abbazia di Novacella, Vahrn / Varna, 2026, Foto: Tiberio Sorvillo
    Katharina Theresa Mayr, Karin Schmuck, Ausstellungsansicht „Relationes“, Kloster Neustift / Abbazia di Novacella, Vahrn / Varna, 2026, Foto: Tiberio Sorvillo

Termine

RELATIONES

RELATIONES
Fotografische Erkundungen des Dazwischen
27. Juni – 29. August 2026
Kloster Neustift | Abbazia di Novacella

Fotografie entsteht nicht im leeren Raum. Sie entsteht aus einer Begegnung — zwischen dem Blick der Fotografierenden und der Welt, zwischen Nähe und Distanz, zwischen dem, was sichtbar wird, und dem, was sich entzieht. Mit RELATIONES zeigt Kloster Neustift in der Engelsburg 18 zeitgenössische Positionen aus Südtirol, Österreich und Deutschland, die genau diesem Dazwischen nachspüren.

Die Arbeiten nähern sich diesem Grundgedanken aus unterschiedlichen Richtungen — sie erzählen von Nähe und Distanz, von Identität und Erinnerung, vom Verhältnis des Menschen zu seinem Lebensraum, von gesellschaftlichen Verbindungen und Formen gemeinschaftlichen Zusammenlebens. Gerade in dieser Vielstimmigkeit zeigt sich, wie weit der Begriff der Beziehung trägt, wenn man ihn ernst nimmt: nicht nur als Sujet der Fotografie, sondern als ihre eigentliche Arbeitsweise. Denn auch das Bild selbst entsteht erst im Moment der Begegnung zwischen dem Blick der Fotografierenden und der Welt, die sich zeigt oder verweigert.

Die historische Architektur der Engelsburg, einst als Pilgerkapelle errichtet, wird dabei bewusst zum Teil des Konzepts, nicht zu seiner bloßen Kulisse. Der romanische Rundbau aus dem 12. Jahrhundert ist seit jeher Schwelle und Durchgang, ein Ort des Aufeinandertreffens — und führt die Besucher*innen entlang dreier thematischer Ebenen durch genau diese Erfahrung. Im Untergeschoss steht die unmittelbare Begegnung zwischen Menschen im Zentrum: der Blick auf das Gegenüber, das, was entstehen kann, wenn man wirklich hinsieht, und das, was auf Distanz hält. Der Rundgang im Obergeschoss weitet den Fokus auf das Verhältnis des Menschen zur Welt, zur Natur, die ihn umgibt, und zu den Systemen, in denen er lebt. Im ehemaligen Kapellenraum schließlich richtet sich der Blick auf das, was entsteht, wenn Menschen sich wirklich einlassen — auf jene Verbindungen, die über das Individuelle hinauswachsen und den Einzelnen als Teil von etwas begreifen, das ihn einschließt oder gar übersteigt.

So wird die Ausstellung selbst zu dem, wovon sie erzählt: kein Raum, der Beziehung nur abbildet, sondern einer, der sie erfahrbar macht.

Teilnehmende Künstler*innen:
Anna Anvidalfarei | Florian Borkenhagen | Julia Bornefeld | Karin Ferrari | Michael Fliri | Werner Gasser | Heinz Innerhofer & Christina Auer | Giancarlo Lamonaca | Katharina Theresa Mayr | Sissa Micheli | Anuschka Prossliner | Karin Schmuck | Michael Schmücking | Othmar Seehauser | Tiberio Sorvillo | Nicole Weniger | Gustav Willeit | Marko Zink

Kuratiert von Sandra Mutschlechner

Finissage: Mittwoch, 26. August 2026, 18.00 Uhr

In RELATIONES haben wir Fotografie als relationale Praxis verstanden — als Mittel, Beziehungen zwischen Mensch, Raum und Zeit sichtbar zu machen. Achtzehn künstlerische Positionen haben in den vergangenen Wochen gezeigt, wie unterschiedlich sich dieser Gedanke lesen lässt, von der stillen Begegnung zwischen zwei Menschen bis zur Frage, was uns mit der Welt und miteinander verbindet.

Zum Abschluss der Ausstellung rücken wir bewusst eine weitere Perspektive in den Fokus: Paul Renner, Schirmherr des Jahres der Fotografie im Kloster Neustift, spricht in seinem Vortrag darüber, wie er Fotografie in seiner eigenen künstlerischen Praxis als Mittel der Dokumentation einsetzt und versteht, ein Blick, der dem relationalen Verständnis der Ausstellung bewusst ein anderes gegenüberstellt und zur Diskussion einlädt. Der Vortrag verbindet internationale Entwicklungen der Nachkriegskunst mit persönlichen Erfahrungen aus seiner künstlerischen Praxis.

Wir laden herzlich zur Finissage in die Engelsburg ein, mit einem Umtrunk und Raum für Austausch,
gefolgt vom Vortrag und einem gemeinsamen Abend im Anschluss.

Mittwoch, 26. August 2026, 18.00 Uhr
Finissage
18.00 Uhr: Umtrunk und Austausch
19.00 Uhr: Vortrag von Paul Renner
im Anschluss: lockeres Beisammensein mit kleinem Essen

Artist Statement

Für mich beginnt Fotografie lange bevor der Auslöser gedrückt wird. Sie entsteht in dem Moment, in dem ich mich auf einen Raum, einen Körper, eine Struktur oder eine Situation einlasse. Durch den Sucher zu blicken bedeutet nicht, Distanz zu schaffen, sondern Teil eines Beziehungsgefüges zu werden.

Der Augenblick des Fotografierens ist für mich kein Festhalten eines eindeutigen Zustands, sondern die Verdichtung eines Übergangs. Etwas ist gerade dabei, sich zu verschieben: Wahrnehmung, Nähe, Bedeutung, Körperlichkeit. Die Fotografie macht diesen Prozess sichtbar, ohne ihn abzuschließen.

In meiner Arbeit interessiert mich weniger das Gegenüber als abgegrenzte Einheit, sondern die Zwischenräume, in denen sich Beziehungen formen, überlagern und verändern. Der Auslöser markiert dabei keinen Endpunkt, sondern einen Moment innerhalb eines fortlaufenden Werdens. Fotografie wird so zu einer Praxis des In-Beziehung-Seins – mit dem, was uns umgibt, mit dem, was uns prägt, und mit den Strukturen, durch die wir miteinander verbunden sind.

– Katharina Theresa Mayr