Hannes Zebedin: Wachhäuschen
Künstler*innen
ZEBEDIN HannesTermine
Das Projekt
Hannes Zebedin
Wachhäuschen, Lendart 2026
12. Juni – 2. Oktober 2026
Temporäre Installation im Lendhafen
Die Installation Wachhäuschen von Hannes Zebedin setzt sich mit Erinnerung, politischer Verantwortung und gegenwärtigen gesellschaftlichen Entwicklungen auseinander. Ausgangspunkt der Arbeit ist die Frage, wie sich historische Erfahrungen in die Gegenwart einschreiben und wie autoritäre Strukturen, politische Spannungen und Formen gesellschaftlicher Ausgrenzung fortwirken. Die Arbeit nutzt Geschichte dabei nicht als abgeschlossene Erzählung, sondern als Voraussetzung, um gegenwärtige Entwicklungen sichtbar zu machen.
Die Installation besteht aus einem reduzierten Wachhaus sowie einem zweiten, offenen Bereich, der die Herkunft des verwendeten Materials sichtbar macht. Zebedin verwendet Lehm aus den Böden von zehn verschiedenen Orten des Alpen-Adria-Raums, die mit politischen Umbrüchen, Kriegen, Grenzverschiebungen und gesellschaftlichen Traumata des 20. Jahrhunderts verbunden sind.
Das Wachhäuschen erinnert in seiner minimalistischen Form an kleine Kontroll- oder Grenzarchitekturen, wie sie im öffentlichen Raum vielfach vorkommen. Solche Orte erscheinen oft unscheinbar und funktional, sind jedoch eng mit Fragen von Überwachung, Ordnung, Kontrolle und Verantwortung verbunden. In Wachhäuschen wird diese Architektur zu einem Ort der Auseinandersetzung mit Gegenwart und Vergangenheit. Die Besucher:innen sind eingeladen, das Gebäude zu betreten und den Raum körperlich zu erfahren. Die Enge des Häuschens, seine reduzierte Form und die rohe Materialität erzeugen einen Moment der Konzentration und des Innehaltens. Es entsteht ein Raum, der gleichermaßen von Schutz, Kontrolle und Macht geprägt ist und zugleich ein Gefühl von Ausgeliefertsein hervorruft. Durch die klare Trennung von Innen und Außen wird erfahrbar, wie Architektur Zugehörigkeit, Beobachtung und Abgrenzung definiert.
Der Boden wird in der Arbeit als stiller Zeuge verstanden sowie als Träger von Erinnerung, in den Grenzen, Kriege, Traumata und politische Spannungen eingeschrieben sind. Gleichzeitig verweist das Material auf Vergänglichkeit und Veränderung. Lehm ist formbar, brüchig und den Einflüssen von Zeit und Witterung ausgesetzt. Die Installation verändert sich während ihrer Dauer und macht dadurch sichtbar, dass Erinnerung kein statischer Zustand ist, sondern ein fortlaufender gesellschaftlicher Prozess.
Im Fokus der Arbeit steht der Alpen-Adria-Raum als historisch vielschichtiger Grenzraum, in dem unterschiedliche politische Systeme, Zugehörigkeiten und Erinnerungskulturen aufeinandertreffen. Von hier aus richtet Wachhäuschen den Blick auf die Gegenwart. Die Installation thematisiert, wie autoritäre Strukturen und ausgrenzende Denkweisen nicht verschwinden, sondern sich immer wieder an neue gesellschaftliche und politische Kontexte anpassen.
Lendhauer
Lendhauer – Zeitgenössische Kunst und Kultur im öffentlichen Raum
Co-Working-Space Hafen 11
Tarviser Straße 11
9020 Klagenfurt am Wörthersee